Kunstwerke der Jahre

"Jedes echte Kunstwerk bedeutet Zuwachs an Sein." -Carl Peter Fröhling

Es sind die Arbeiten, die bleiben. Mit den „Kunstwerken der Jahre“ geben wir ausgewählten zeitgenössischen Positionen einen festen Platz im ART-Hotel Braun. Seit 2016 wird jährlich ein Werk bestimmt, das stellvertretend für das jeweilige Ausstellungsjahr steht. Jedes Kunstwerk erzählt von seiner Zeit, von künstlerischen Fragestellungen und von der besonderen Verbindung zwischen Kunst und Ort. So entsteht über die Jahre eine wachsende Sammlung, die das Haus prägt und Besucherinnen und Besucher immer wieder neu zum Innehalten einlädt.


2016 -  Thomas Baumgärtel


Im dreißigsten Jubiläumsjahr der Spraybanane präsentierte ARTKibo® im Frühjahr 2016 zwei

Projekte mit Thomas Baumgärtel, international bekannt unter dem Namen Bananensprayer, in

Kirchheimbolanden.

In Anwesenheit des Künstlers fand am 12. Mai 2016 zunächst die Präsentation der größten

Spraybanane an der Fassade des Hotels Braun in Kirchheimbolanden statt. Anschließend wurde im

Kunstraum Holzmann die Ausstellung SCHILDERWALD, ebenfalls von Thomas Baumgärtel, eröffnet.

Die Doppelausstellung zeigte exemplarisch die Vielseitigkeit des Künstlers, dessen Schaffen neben

Aktionen und Projekten der Street Art auch Zeichnung, Druckgrafik, Fotocollagen, Performances und

Happenings im öffentlichen Raum umfasst.

Die Spraybanane an der Fassade des Hotels Braun

Bananen-Ort, präzise gesagt, Standort der weltgrößten Spraybanane von Thomas Baumgärtel zu

sein, ist ein unverhofftes Geschenk für Kirchheimbolanden, insbesondere wenn es sich um ein

privates bürgerschaftliches Projekt handelt, das die Stadt um eine Sehenswürdigkeit reicher macht

und allen Bürgern zugutekommt.

Die Banane ist 14 m lang, 7 m hoch und damit riesig, aufgesprüht auf die Fassade des Hotels Braun.

Ist das ein Gag?

Jede Spraybanane von Thomas Baumgärtel ist ein Gag, aber sie ist mehr als das.

Thomas Baumgärtel produziert und reproduziert seine Spraybanane seit 1986. Die erste Banane

sprayte der Künstler anonym am 12. Dezember 1986 in seiner Heimatstadt Rheinberg. Seitdem ist er

weltweit aktiv, ein ambulanter Kunstmarkierer, wie ihn ein Kritiker nennt (Klaus Fleming), und hat nach

eigenen Worten die größte ständige Ausstellung in der Kunstgeschichte außerhalb von Museen und

Galerien geschaffen.

Schlüssel zum Verständnis der Spraybanane gibt es mindestens so viele, wie es Spraybananen gibt.

Künstlerische, soziologische, psychologische und markenpsychologische, ökonomische, politische

oder sexistische Deutungsversuche wetteifern miteinander. Vier davon will ich kurz herausgreifen, um

die Debatte über die Kibo-Banane, die bereits intensiv geführt wurde, weiter zu beleben.

Die Banane als Kunstwerk

Die Banane als Etikett

Die Banane als moderner Thesenanschlag

Die Banane als Symbol einer Lebensleistung

1. Die Banane als Kunstwerk

Das Graffito der Banane, 35 cm lang, mit klarem Bildmotiv, setzt künstlerisches Talent voraus.

Thomas Baumgärtel kann zeichnen. Er sprüht seine Bananen jedoch mit der Schablone auf, macht sie

beliebig oft vervielfältigbar. Bewusst verzichtet er auf die Exklusivität, auf das Original, und relativiert

damit die Idee, die dem althergebrachten westlichen Kunstbegriffs zugrunde liegt. Umso größeres

Gewicht erhält der Standort jeder Spraybanane. Hierfür wählt der Künstler jeweils einen bestimmten

Ort, der Teil eines Netzwerkes und eines Gesamtkonzepts ist. Das Kunstwerk definiert sich also in

Kombination mit dem Ort, an den es der Künstler anbringt.

Seit 1986 sprüht Thomas Baumgärtel seine Banane an die Außenwände von Museen und Galerien,

um diese für Alle sichtbar als Orte der Kunst zu markieren. Ganz am Anfang waren es die Kölner

Galerien, 1992 gab es neun Spraybananen für die Documenta IX in Kassel; 1993 zeichnete

Baumgärtel vierzig Kunstorte in London als die interessantesten aus, danach sechzig in New York

City. In dreißig Jahren hat Thomas Baumgärtel mehr als 4000 Bananen gesprüht und damit, nach

eigenen Worten, die größte ständige Ausstellung in der Kunstgeschichte außerhalb von Museen und

Galerien geschaffen. Denn der Zugang zur Banane ist frei, auch für diejenigen, die üblicherweise

1keinen Fuß über die Schwelle einer solchen Kultureinrichtung setzen. Die unmissverständliche

Botschaft dahinter lautet: „Kunst ist für Alle da – Kunst kennt ohne Grenzen“.

2. Die Spraybanane ist ein Etikett

Sie ist Sinnbild unserer Konsumwelt, in der das Zeichen auf dem Artikel, das Markenzeichen, den

Gegenstand zum „Markenartikel“ stilisiert und seinen Wert unabhängig von der Qualität, erhöht.

Seit mehr als dreißig Jahren trägt jede Chiquita-Banane – geradezu manisch – einen Aufkleber, der

Qualität mehr suggeriert als garantiert. Mit der Spraybanane nimmt der Künstler, der neben dem

Studium der Freien Kunst in Köln (Meisterschüler bei Prof. Franz Dank) auch ein Studium der

Psychologie absolviert hat, Bezug auf die versteckten Mechanismen von Etikettieren und Verkaufen

und ermahnt den Betrachter zur kritischen Sichtweise. So als wolle er sagen, die Freiheit der Kunst ist

eine Vision, deren Realisierung wir selbst mit unseren Lebensgewohnheiten entgegenstehen. Es birgt

schon ein Quäntchen Ironie, dass Thomas Baumgärtel auf dem Schaffensweg selbst zur Marke der

Banane und die Banane zur unverkennbaren Marke seiner selbst geworden ist. Damit erinnert er uns

an Petrarca (1304-1374), Dichter- und Diplomatengenie an der Schwelle zur Neuzeit, dem genau dies

gelang. Mit seinem literarischen Werk erschuf sich Petrarca als freies Individuum, unabhängig von

aller realen Abhängigkeit von Fürsten und Mäzenen. Er war der Macher seiner selbst, fictor sui ipsium

(Karlheinz Stierle).

3. Die Banane als Thesenanschlag

Wenn wir in dem Wandbild nur den Gag sehen oder nur die Marke, dann entgeht uns die politische

Dimension des Graffito. Die Spraybanane ist Gesellschaftskritik in Bildform, verständlich für Alle,

unabhängig von Sprache, Kultur, gesellschaftlicher Position, Geschlecht und Alter, eine Art

zeitgenössischer Thesenanschlag. Seit die Menschheit in Bild und Schrift kommuniziert, ist dies die

gängige Form der Informationsvermittlung und gleichzeitig Einladung zum Dialog. Dazu gehören die

großen Fresken der Renaissance ebenso wie Luthers Kampagne in Wittenberg. Einen

Thesenanschlag, der inhaltlich eng mit Baumgärtels Botschaft verbunden ist und in diesem Jahr

Jubiläum feiert, möchte ich hier gerne herausgreifen.

Auch der italienische Humanist Pico della Mirandola (1463-1494) suchte den Dialog über das heikle

Thema der Freiheit des Individuums. Im Jahre 1486, also 500 Jahre vor der ersten Spraybanane von

Baumgärtel, lud Pico die Gelehrten der Universitäten Europas nach Rom zu einer öffentlichen

Diskussion seiner berühmten Rede „Über die Würde des Menschen“ ein. Die Einladung sollte über

einen öffentlichen Anschlag von 900 Thesen erfolgen. Allerdings wurde die geplante Veranstaltung

von der päpstlichen Kurie als ketzerisch kriminalisiert. Es folgten Flucht und Verhaftung. Geblieben ist

die Rede „De dignitate hominis“, geblieben sind die inhaltlichen Fragen nach der Freiheit und Würde

des Menschen, vor 530 Jahren in der Wissenschaftssprache der Elite, in Latein, heute de-

alphabetisiert und demokratisiert in Bananengestalt und damit als allgemeinzugängliches,

barrierefreies Bildungserlebnis frei zugänglich für Alle.

Nach dem philosophischen Exkurs kommt nun der Clou – Zufall oder Vorsehung?

4. Die Banane als Symbol konkreter Lebensleistung

Die Spraybanane ist nach einer dreißigjährigen Odyssee an der Hauswand eines großen

Bananenexperten gelandet. Der Erbauer des Hotels war neun Jahre lang in Mittelamerika im

Bananengeschäft tätig. Eine größere Authentizität lässt sich wohl kaum herstellen. Der Kreis schließt

sich. Die Banane ist „groß“ geworden, man könnte sagen, sie hat in Kirchheimbolanden ihre Heimat

gefunden. Das Markenzeichen, dem ja immer etwas Artifizielles anhaftet, wird zum Symbol einer

Lebensleistung.

Wenn nun, wie eingangs gesagt, die Banane zusammen mit dem Ort, an dem sie steht, das

Kunstwerk ausmacht, dann ist die Spraybanane an der Fassade des Hotels Braun ein

Gesamtkunstwerk und keinesfalls ein Gag.


Dr. Lydia Thorn Wickert l thornconcept

09.07.2016


Spraybanane  14 x 7 m

o.T., Acryl und Öl auf Rupfen, 215 x 160 cm, 2016



2017 - ann-kristin hamm


Mit dem „Kunstwerk des Jahres 2017“ startet das Hotel Braun – ART Hotel am 29. Januar 2017 eine

neue Veranstaltungstradition und präsentiert mit ARTKIBO im Rahmen des Neujahrsempfangs ein

Kunstwerk, das ein Jahr lang im Hotel ausgestellt wird und nicht nur den Hotelgästen zugänglich ist,

sondern auch Besuchern von außen (Mo bis Fr 8 bis 23 Uhr). Ziel ist es, Kirchheimbolanden

überregional als Ort der Begegnung von Künstlern und als Ort der fruchtbaren Auseinandersetzung

über das zeitgenössische Kunstschaffen bekannter zu machen. ARTISTS TO KIBO lautet die Devise.

In Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Rupert Pfab fiel die Wahl nach einer ausgedehnten

Suche „quer durch die Republik“ diesmal auf das

Gemälde der Berliner Künstlerin

Ann-Kristin Hamm:

o.T., 2013, Acryl und Öl auf Rupfen, 215 x 160 cm.

Ann-Kristin Hamm (geb. 1977 in Mönchengladbach, lebt und arbeitet heute in Berlin) hat an der

Kunstakademie Düsseldorf Malerei studiert bei Dieter Krieg, dessen Meisterschülerin sie 2002 wurde,

und bei Albert Oehlen. Im Jahre 2004 erhielt sie ihren Akademiebrief. Ann-Kristin Hamm ist eine

äußerst produktive freischaffende Künstlerin und kann bereits nach einem Jahrzehnt eine

bemerkenswerte Liste von Einzelshows und Beteiligungen an Gruppenausstellungen sowie

Auszeichnungen vorweisen.

„Ihre großformatigen Gemälde zeigen eine bemerkenswerte Vehemenz, die den Gegensatz von Raum

und Zweidimensionalität, von scheinbar Figürlichem und Abstraktem vorantreibt. Ihre Kunst stiftet

Verwirrung. Nie zeigt sie konkrete Formen, vielmehr werden Erinnerungen an Bekanntes angestoßen,

wie etwa Schnecken, Falter, Blüten oder Fächer. Die Bilder setzen Assoziationen frei, zeigen aber nie

konkrete Dinge. Wie ein Spiel mit Formen und Farben tänzeln die Bilder zwischen Abstraktion und

Gegenständlichkeit. Dabei wird der Zufall als Gestaltungsprinzip eingesetzt, etwa wenn Farbkleckse

oder Spritzer auftauchen, Rinnsale von gegossener Farbe zu sehen sind oder Spuren von

Turnschuhen, die scheinbar achtlos auf die Leinwände geraten sind.“ (Rupert Pfab).

Am Tag der Präsentation des großformatigen Gemäldes von Ann-Kristin Hamm wird die Ausstellung

von Gesine Kikol (geb. 1976, lebt und arbeitet in Düsseldorf) „Totale Vanitas. Yeah!“ beendet. Ihre

Einzelausstellung „Im Garten der Lüste“ anlässlich der Kulturnacht 2016 im Kunstraum Holzmann war

eine kenntnisreiche, kreative wie humorvolle Auseinandersetzung mit dem Werk des Hieronymus

Bosch und hatte bei kunstinteressierten Laien wie Kennern große Aufmerksamkeit geweckt. Die

Einführung von Günter Minas steht auf Wunsch zur Verfügung.

In der Biographie der beiden fast gleichaltrigen Künstlerinnen gibt es einige Parallelen und dennoch

könnte deren Schaffen nicht unterschiedlicher sein. Gesine Kikol, eine Immendorff-Schülerin, wird

anwesend sein und einige Gedanken zum Gemälde der Kollegin Ann-Kristin Hamm vortragen. Kunst

durch Künstleraugen zu betrachten, gibt spannende Impulse für die eigene Bildinterpretation.



Dr. Lydia Thorn Wickert l thornconcept.

Januar 2017




2018 - martin noel


Anlässlich des Neujahrsempfangs präsentiert das ART Hotel Braun das Kunstwerk des Jahres 2018.
Die Wahl fiel in diesem Jahr auf die Fotoarbeit „Januar“ (Diasec, 90 x 120 cm, Auflage 6 Exemplare, Privatsammlung) von Martin Noël (1956-2010) aus dem Jahre 2006. Sie löst das großformatige abstrakte Werk von Ann-Kristin Hamm ab.

Es ist als außerordentliches Geschenk zu würdigen, dass Margarete Noël, die das Werk ihres verstorbenen Mannes mit Kompetenz und Umsicht verwaltet und schützt, für das Ausstellungsprojekt in Kirchheimbolanden die Fotografie „Januar“ und drei Serien aus dem grafischen Werk von Martin Noël zur Verfügung gestellt hat. Im Gegensatz zur letzten Gruppenausstellung „In meiner Küche nicht!“ mit fünf Künstlern, die durch die Vielfalt der verwendeten Materialien und Ausdrucksformen immer neue und verwirrende Perspektiven eröffnete, bündeln die kleinformatigen Grafiken von Martin Noël den Blick und lenken ihn auf die Linien und Farbflächen und über diese in die Tiefe. Die Titel der Serien „Venedig oder „New York Lines“ verweisen auf Reisen und Arbeitsstipendien, während derer der Künstler seine Bildmotive gesammelt und in Skizzenbüchern und mit Fotos festgehalten hat. Martin Noël ist einer der bekanntesten Bonner Künstler der Gegenwart. 1956 in Berlin geboren, fand er sehr jung seinen Weg in die pulsierende freie Kunstszene des Westens und studierte in den Jahren 1980 bis 1987 Malerei und Grafik an der FH Köln, die er als Meisterschüler abschloss. Zahlreiche Preise und Stipendien wurden ihm verliehen, darunter der Kunstpreis „Junger Westen“, Recklinghausen und der Kunstpreis der Stadt Bonn.

Auch in der Pfalz ist Martin Noël kein Unbekannter: im Jahre 1993 wurde er in Frankenthal mit dem Perron-Kunstpreis der Stadt Frankenthal ausgezeichnet und im Jahre 1995 erhielt er den Preis der Pfalzgalerie Kaiserslautern für klassische Verfahren der Originalgrafik, woran sich einige Jahre später (1999) Ankäufe des Museums anschlossen.

Martin Noël verfolgte unbeirrt seinen eigenen künstlerischen Weg. In Zeiten impulsiver Farbschlachten oder bisweilen beliebig anmutender Installationskunst erforscht er Linie und Fläche. Diese Suche führt den Künstler konsequenterweise zum Holzschnitt und Linolschnitt. Er tritt in die Fußstapfen von HAP Grieshaber und wird zum Erneuerer eines althergebrachten Mediums. Nach dem Druckverfahren bearbeitet der Künstler die Druckstöcke seiner Grafiken und verleiht ihnen den Status des Originals. So entsteht zu Beginn der 90er Jahre eine neue Gattung von Bildobjekten, die „Hölzer“.

Die Fotos von Martin Noël entwickeln sich als eigenständige Bildgattung. Hier ist die Kamera gleichsam die Verlängerung der Augen. Die Linien sind bis zur Auflösung vergrößert, der Betrachter sieht farbige Flächen, Farbnebel (Ferdinand Ullrich), „Farbessenzen der realen Welt“ (Elisabeth Volk). Noëls Vergrößerungen der Dinge bewirken beim Betrachter eine Veränderung der Sichtweisen. Die enge Beziehung des Künstlers zur Musik und Literatur findet ihren künstlerischen Niederschlag in der Gestaltung von CD-Covern und Buchumschlägen.

Margarete Noël wird persönlich anwesend sein. Zur Ausstellung spricht Dr. Wenzel Jacob, Mitglied des Gründungsstabs und erster Geschäftsführender Direktor der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.


Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.

11.12.2017





"Januar" Fotografie, auf Diasec, 2007, 90x120 cm, 1/6


Cupido, 45 x 63 cm, C-Print mit Diasec, 1/10 + 2 AP




2019 - yutao gao


Am Sonntag, 27. Januar 2019, 11 Uhr, wurde im ART Hotel Braun in Kirchheimbolanden beim traditionellen Neujahrumtrunk das Kunstwerks des Jahres 2019 präsentiert:

CUPIDO
40 x 55 cm
C-Print, Diasec (2016)

Geschaffen wurde es von Yutao Gao, von dem weitere Fotoprints in den Räumlichkeiten des Hotels gezeigt werden. 1988 in China geboren, studierte Yutao Gao zunächst an der Hochschule der Künste Sichuan in der südwestchinesischen Stadt Chongqing (2007-2011) – die Kunsthochschule zählt zu den acht berühmtesten von ganz China – und schloss hieran ein zweites Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf an, das er zum Ende des Wintersemesters 2019 mit dem Akademiebrief – als Meisterschüler – in der Klasse von Prof. Katharina Fritsch abgeschlossen hat.

Yutao Gao befasst sich in seiner Kunst mit Fragen von Fläche und Raum, mit der Zwei- und der Dreidimensionalität. Ausgangspunkt sind Fotografien berühmter Skulpturen der griechischen und römischen Antike, Cupido, Leto, Leda mit dem Schwan, Raub der Proserpina etc., aber auch Abbildungen historischer Baudenkmäler der Renaissance und Barockzeit in Italien.

Außerhalb der Gesetzmäßigkeiten der Geometrie erspürt Yutao Gao eine räumliche Tiefe in den Abbildungen, die er über den Farbscanner zieht und manchmal großflächig mit Acrylfarbe bearbeitet. Das Ergebnis ist eine vielschichtige, schillernde Farbigkeit, die in weichen Schlieren über das Bild zieht und mit der Härte des Marmors korrespondiert.

Der Künstler sagt: „Mit dem Scan-Vorgang (zehn Sekunden) füge ich die Zeit als dritte Dimension zur 2D-Welt hinzu. […] Ich glaube, dass zwischen der zweidimensionalen und der dreidimensionalen Welt eine unerforschte unbekannte Welt existiert, durch die die Zeit braust. Diese Welt ist wie ein tiefer Fluss, der zwar das sichtbare Land links und rechts hinter den Ufern miteinander verbindet, selbst aber unergründlich bleibt. Diese Welt ist für mich als Künstler viel attraktiver und spannender.“


Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.
Januar.2019





2020 - vanessa von wendt


Vanessa von Wendt lebt als freischaffende Künstlerin seit 2012 in Falkensee, Brandenburg. Davor arbeitete sie in Düsseldorf, Herdecke und auf Mallorca. Ihr Studium der Freien Kunst absolvierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf, die sie 2010 als Meisterschülerin von Markus Lüpertz mit Auszeichnung abschloss. Die Künstlerin vereint großes schöpferisches Talent mit durchdringendem Verstand und Wissensdurst. Die Fragen nach den letzten Dingen des Lebens und des Himmels treiben sie an. An der Domschule Würzburg studiert Vanessa von Wendt neben Beruf und Muttersein Theologie im Fernkurs. Eine umfangreiche Liste von Einzel- und Gruppenausstellungen belegen das allgemeine Interesse an ihren Werken. Kunstpreise und öffentliche Aufträge verleihen ihrer Vita zusätzlichen Glanz.


Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.
Januar.2020

"Ende und Anfang", Acryl und Kohle auf Holz, 293 x 133 cm, 


"A place in the sun", Mural Painting, Sprühlack auf verputzte Außenwand, 374 x 884 cm





2021 - timofej kratz



2022 - Silja  wendt


Traditionell am letzten Sonntag im Januar lädt das ART Hotel Braun zur Eröffnung der

Winterausstellung mit Präsentation des Kunstwerks des Jahres ein.

Ausgewählt wurde diesmal ein Werk der Düsseldorfer Akademiestudentin Silja Wendt. Die

Künstlerin zeigt rund ein Dutzend Arbeiten aus recyceltem Papier, Malerei mit Papier auf

Leinwand und eine vielteilige Installation, ebenfalls aus handgeschöpftem Papier, die sich,

teilweise in mehreren Lagen, über die Wände im oberen Treppenhaus des Hotels ausdehnt.

Die Ausstellung ist von Montag bis Samstag, 08:00 h – 23:00 h, zu besichtigen. Sie läuft bis

August 2022.

Silja Wendt (*1996 in Münster) studierte ab 2015 zunächst Kommunikationsdesign an der

Hochschule Düsseldorf. 2017 wechselte sie in den Zweithörerstatus und begann parallel im

Hauptfach ein Studium der Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. 2019 wurde sie in die

Klasse von Prof. Ellen Gallagher aufgenommen. Hier plant sie ihren Akademieabschluss in

zwei Jahren.

Silja Wendt bewegt sich in der Welt des Papiers. Sie schöpft Papier in selbstgebauten

überdimensionalen Schöpfrahmen. Das Resultat sind großformatige rechteckige Werke, die an

Wandteppiche erinnern. In einem anderen Verfahren gießt Silja Wendt den Faserbrei über

große Plastikplanen und erhält pergamentartige hauchdünne Gebilde, die sie lagenartig

übereinander schichtet zu einer abstrakten Bodenplastik oder an die Wand tuckert. Auf diese

Weise entstehen fantasievolle Gebilde, die Assoziationen an Landkarten oder das Tierreich

wecken. Eine weitere Werkgruppe bildet die Malerei mit flüssigem Papierbrei auf Leinwand.

Durch eine geschickte und gleichzeitig unaufdringliche Hängung gelingt es der Künstlerin, das

mehrstöckige Hotelgebäude in einen zusammenhängenden Kunstraum zu verwandeln, in dem

über die ästhetische Dimension hinaus neue Denkprozesse in Gang gesetzt werden. Für die

Künstlerin symbolisieren die Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit des Papiers die

Grundeigenschaften der Natur selbst. Werden und Vergehen sind die Parameter im ewigen

Kreislauf des Lebens, in dem auch der Mensch Teil des Recycling ist.


Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.
23.01.2022


o.T., recyceltes Papier, 240 x 145 cm, 2021


ZWISCHENDRIN, 15 Arbeiten je 15 x 15 x 6 cm, Frottagen, Mischtechnik auf Holz, 2021


2023 - susanne krell


Am Sonntag, 22. Januar 2023, lädt das ART Hotel Braun zur Eröffnung der Winterausstellung ein und

präsentiert in diesem Rahmen das Kunstwerks des Jahres 2023. Die Wahl fiel auf die fünfzehnteilige

Werkserie „ZWISCHENDRIN“ von Susanne Krell und ist ein wahrer Glücksfall für die Stadt

Kirchheimbolanden. Denn mit dem Ankauf bleiben die einmaligen Kunstwerke, die von Menschen und

Ereignissen der Kirchheimbolandener Vergangenheit, von Mobilität und kulturellem Austausch

erzählen, für die interessierten Bürger und Gäste der Stadt erhalten und öffentlich zugänglich.

Die Serie „ZWISCHENDRIN“ war aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums des Steinmetzprojektes für

eine Ausstellung im Museum im Stadtpalais von Kirchheimbolanden geschaffen worden und mit

Begeisterung von Besuchern, Medien und der Politik aufgenommen worden. Ein Katalog zu dieser

Ausstellung liegt vor.

Nun fügt die Künstlerin die Arbeiten in ein neues Narrativ ein, das die zerbrochene Weltordnung

reflektiert und das Thema Gewalt und Zerstörung nicht ausklammert. Die 2019 auf der Reise mit den

Pfälzer Steinmetzen gebaute künstlerische Brücke von Kirchheimbolanden nach Lviv (Lemberg) in der

Westukraine ist momentan gekappt. Doch souverän stellt sich Susanne Krell der Gewalt entgegen mit

der Überzeugung „Schönheit ist eine Form des Widerstands“.

Die langjährige künstlerische Auseinandersetzung mit dem von Menschenhand behauenen Stein, mit

historischen Gebäuden und der Geschichte von Orten prädestiniert Susanne Krell als Künstlerin für

die Barockstadt Kirchheimbolanden. Bisher hat sie Frottagen in der Paulskirche und auf dem Gelände

des barocken Terrassengartens genommen.

Ihre charakteristische Frottagetechnik beschreibt die Künstlerin selbst so: „Ich sammle Spuren von

Orten, von Gebäuden, Plätzen und Räumen. Ich sammle die Oberfläche und das, was unter ihr liegt,

die Geschichte und die Geschichten, die Ideen und das Konzept eines Orts. Als Künstlerin habe ich

vor Jahren die Frottage für mich entdeckt - eine Berührung ohne Distanz. Sie ist das geeignete Mittel

für mich, aus Moskau, New York, Doha, Paris, Kairo, Rom, Venedig und Jerusalem, aus China, dem

Westerwald und der ganzen Welt authentische Oberflächen aufzunehmen. Ästhetisch interessieren

mich die entstehenden schwarzen Spuren, Punkte, Striche, Linien auf weißem Papier, nicht

benennbare Formen, aber mit belegbarer Herkunft. Sie haben Gemeinsamkeiten und sind trotzdem

individuell und einzigartig für den Ideenort, einem Fingerabdruck ähnlich. Papier und Leinwand

werden durch Auflegung und Spurenabnahme zum Träger von Ideen. So ist eine Sammlung von

bisher über tausend Frottagen entstanden. Diese Sammlung bildet die Grundlage, das Rohmaterial für

meine Arbeit.“Die hinter der geographischen Realität verborgenen Schichten aus Ideen, Mythos und Geschichte

werden sichtbar gemacht mit unterschiedlichen Medien, wie Photographie, Video, Projektionen,

Tondokumenten, Collagen oder Installationen. Die den Frottagen inhärente Zeitlichkeit und

Geschichtlichkeit werden transparent.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Krell und https://www.susanne-krell.de)

Neben einem Fachhochschulstudium in Koblenz (1972–1976), einem Kunsttheorie-Fernstudium an

der Universität Tübingen (1989–1990) und einem Philosophiestudium an der Universität Bonn (1998–

2002) war vor allem die Begegnung mit Marina Abramovic anlässlich ihres Seminars Cleaning the

House (1999) von Einfluss für das künstlerische Schaffen von Susanne Krell. Seit 2008 übernimmt die

Künstlerin regelmäßig Kuratoren- und Jurorentätigkeiten wie auch Lehrtätigkeiten. Für ihre Werke

erhielt Susanne Krell zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Sie ist kontinuierlich im In- und Ausland

mit Einzel- und in Gruppenausstellungen präsent und mit exklusiven Arbeiten in den ständigen

Sammlungen der Museen Koblenz, Neuwied und Bautzen vertreten. Ihren aktuellen Schaffens- und

Lebensmittelpunkt hat Susanne Krell in der Fontanestadt Neuruppin eingerichtet.



Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.

05.01.2023




2024 - monika kropshofer


Monika Kropshofer „What Truth Is“

Fotografie und Malerei

„Die international renommierte Künstlerin Monika Kropshofer (*1952 Neuwied - lebt in Boppard) präsentiert mit

einer exemplarischen Auswahl ihre durch malerische Intervention und Doppelbelichtungen veränderten

Fotografien.

Grundlage der Arbeiten Monika Kropshofers sind seit 2005 ihre großformatigen Farbfotografien auf

transparenten, mehrschichtigen Kunststoffplatten, die nach dem Druck malerisch bearbeitet und verändert

werden. Landschafts- und Architekturfotografie (bspw. aus Island, Italien, China, Vietnam) wird so in den Dialog

mit einfachen, konstruktiven Formen gestellt, befragt und gleichzeitig auf eine andere mediale Ebene geführt: Die

Fotografie gewinnt durch die malerische Intervention konkreter Konzepte auratische Qualität, ihre Reflexion kreist

um das Spannungsverhältnis zwischen reproduzierter Realitätsaneignung und der Wirklichkeit der Malerei. Durch

die malerische Überarbeitung der Fotografie entsteht eine neue Realität, die zwingend die Frage nach Abbildung

und Wirklichkeit aufwirft. Diese Metamorphose drängt in eine weitere Sphäre der Reflexion um die Beziehungen

von Raum, Zeit und Materie. Dabei schaffen die medialen Gegensätze der Arbeiten einen dialektisch wirksamen

Zugang zum Werk: Poesie und Geometrie, Sinnlichkeit und Konzept, auch Raum und Fläche sind nicht als

Antipoden gedacht, sondern reflektieren zur Einheit.

Eine wesentliche Eigenschaft der Arbeiten von Monika Kropshofer ist die durch Doppel- und

Mehrfachbelichtungen erreichte Unschärfe, wobei mehrere Realitätsebenen in einem Bild festgehalten werden.

Ähnlich wie bei Langzeitbelichtungen verschwimmen die einzelnen Belichtungen ineinander und die Motive

werden häufig transparent. Diese Doppelbelichtungen sind verschränkende Metamorphosen beider Motive, sie

spiegeln Identitäten im Gegenstück und befragen ihr Gegenüber. Mit der Verdichtung des Fotografischen durch

malerische Intervention und Doppelbelichtung entsteht in den Arbeiten eine bildkünstlerische Parabel über die

Dinge des Lebens in einer Zusammenführung verschiedener Zeitebenen, von Orten, Personen und Ideen.

Das Schaffen der arrivierten Fotografin Monika Kropshofer ist dokumentiert durch kunsthistorische Texte und

Museumsankäufe, durch internationale Ausstellungen u.a. in Wien, Seoul, Berlin, Köln, Hongkong, Taipeh,

Luxemburg, Dijon, Venedig und Rom.“ (© Heinz Höfchen; bei Zitat bitte Autorschaft angeben).

Die Einführung in die Ausstellung hält Dr. Heinz Höfchen, ausgewiesener Kenner der Arbeiten von

Monika Kropshofer und langjähriger Leiter der Grafischen Sammlung des Museum Pfalzgalerie.


Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.

23.12.2023


"Kirchheimbolanden ART Hotel", Mischtechnik auf Digitaldruck auf Kunststoffplatte, 65 x 98 cm, 2023

Intersection I, 150x x100 cm, Acryl auf Leinwand, Textilgarn


2025 - oksana pyzh & BAHAR Batvand


Am Sonntag, 26. Januar 2025, eröffnet das ART-Hotel Braun in Kirchheimbolanden seine traditionelle

Winterausstellung und präsentiert das Kunstwerk des Jahres 2025. Es ist die achtzehnte Ausstellung

von ARTKIBO im Familienhotel Braun seit Anbringung der Spraybanane von Thomas Baumgärtel an

der Fassade, für deren Jubiläum im kommenden Jahr 2026 bereits Sonderveranstaltungen in der

Planung sind.

Unter dem Titel „Intersection“ zeigen Bahar Batvand und Oksana Pyzh Malerei , Installationen und

Objekte, die großenteils für das ART-Hotel neu geschaffen wurden.

Bahar Batvand wurde 1974 im Iran geboren und absolvierte von 1994-1999 in ihrer Heimat ein

Studium der Malerei an der Islamischen Universität Teheran, das sie mit dem Akademiebrief

abschloss. Im Jahr 2000 übersiedelte sie mit einem Teil ihrer Familie nach Deutschland. Hier nahm

Bahar 2005 an der renommierten Kunsthochschule Düsseldorf ein weiteres Kunststudium in der

Bühnenbildklasse von Professor Karl Kneidl auf, das sie im Jahre 2009 als Meisterschülerin bei

Professor Karl Kneidl mit Auszeichnung abschloss. Seitdem lebt und arbeitet Bahar in Düsseldorf.

Oksana Pyzh wurde 1989 in der Ukraine geboren. Sie studierte Architektur mit Master-Abschluss in

Charkiw. Nach dem Angriffskrieg von Putin flüchtete Oksana 2022 nach Deutschland. Sie lebt und

arbeitet als freie Künstlerin in Düsseldorf.

Im zeitlichen Abstand von mehr als zwei Jahrzehnten sind die beiden Künstlerinnen nach Deutschland

gekommen. In der Metropole der zeitgenössischen Kunst Düsseldorf haben sich ihre Wege gekreuzt

und in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit haben sie eine gemeinsame Sprache gefunden

und bereits ein Jahr später (2023) ihre erste gemeinsame Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf

gezeigt. Aktuell sind beide Künstlerinnen in einer Gruppenausstellung im Frauenmuseum Bonn

vertreten, zusammen mit Linda Nadji, die 2014 mit ihrer Installation „Im Grünen“ das Sarglager der

Schreinerei Holzmann in einen spektakulären Kunstraum verwandelte.

In diesem „Kunstraum Holzmann“ stellte Bahar Batvand vor zehn Jahren, im Sommer 2015, im

Rahmen der Kulturnacht, erstmalig in Kirchheimbolanden aus. Ihre Ausstellung trug den Titel „An

einem Ort“ und war eine kraftvolle wie mutige Verarbeitung der traumatischen Lebensphase im Iran

und Neupositionierung als Künstlerin und als Frau in der Freiheit.

Die Ausstellung im ART-Hotel Braun gibt Bahar Batvand und Oksana Pyzh die Gelegenheit,

persönliche Lebenserfahrungen in einen übergreifenden Zusammenhang zu stellen und daraus

gemeinsame künstlerische Positionen zu entwickeln. Ein Großteil der Arbeiten wurde explizit für die

Raumsituationen im Hotel kreiert und ist exklusiv in Kirchheimbolanden zu sehen. Nüchterne

Wahrnehmung der Realität mündet somit in schöpferische Aktivität. Wir in der Pfalz, die wir – in

unmittelbarer Nähe von Ramstein-Miesenbach – bislang noch ziemlich unbehelligt von konkreter

Gewaltbedrohung in gewohnter Manier unsere Arbeit verrichten und unsere Feste feiern, dürfen dieDuo-Ausstellung „Intersection“ von Bahar Batvand und Oksana Pyzh als Geschenk und Denkanstoß

werten. Und wir dürfen gespannt sein, wie sich die beiden Künstlerinnen ein namhaftes Haus der

friedvollen und freiheitlichen Gastfreundschaft kreativ aneignen. Die Ausstellung „Intersection“ setzt

ein Zeichen für Kultur und Freiheit in der bewegten Geschichte der Region Donnersberg und erinnert

nicht zuletzt an den Kampf der Freischaren für die nationale Einheit Deutschlands und die Idee der

Republik.



Dr. Lydia Thorn Wickert | thornconcept.

06.01.2025



2026 - frauke dannert


COMING SOON
KEGELBAHN KUNSTRAUM